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Fremdkörper mit regionalem Bezug

Erweiterung des Skulpturenradweges Fachjury entschied sich für sieben Kunstwerke / Standorte werden in den kommenden Wochen ausgewählt

Fremdkörper mit regionalem Bezug

Sieben Kunstwerke sollen im Laufe des Jahres den Skulpturenradweg erweitern und attraktiver machen. Neu ist auch die Anbindung an die Gemeinde Buchen, die zwei Kunstwerke erhält.

Osterburken. Radfahren, Wandern und Spazieren gehen verbinden die meisten Menschen mit idyllischen Landschaften. Wie Fremdkörper wirken auf solchen Wegen hellblaue Wellen, ein U-Bahn-Schacht oder ein Aufzug. Eine Besonderheit, die in der Region der Skultpurenradweg im Bauland bietet: Abstrakte Werke und Erholung werden auf diesem 77 Kilometer langen Weg vereint. Die abstrakten Kunstwerke sollen absichtlich nicht in die Landschaft passen und dadurch die Betrachter zum Nachdenken anregen. Nun gibt es künstlerischen Zuwachs: Eine neunköpfige Jury wählte am Donnerstagnachmittag im Osterburkener Römermuseum sieben Kunstwerke aus, die ab April auf dem Radweg aufgebaut werden sollen. Und noch etwas ist neu: Die Stadt Buchen wird an den Weg angebunden und erhält zwei Skulpturen, während die anderen fünf Gemeinden Adelsheim, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Seckach jeweils ein Kunstwerk erhalten.

Kreative Studenten

14 Studenten der drei Kunstakademien Stuttgart, Nürnberg und Karlsruhe haben vorgestern ihre Entwürfe der Jury vorgestellt. In kurzen Präsentationen erklärten sie ihre Werke und stellten ihre künstlerische Motivation dar. Schlussendlich wurden sieben Werke ausgewählt, die mit einem Budget von 25 000 Euro pro Kunstwerk realisiert werden.

„Die Entwürfe der Studenten waren erstaunlich professionell. Regionale Besonderheiten wurden mit eingebunden, und es wurde oft ganz bewusst auf industrielles Material gesetzt, um einen Kontrast zur Landschaft zu erhalten“, erklärte Jurymitglied Professor Tilmann Osterwold. Auch bei den Kunstwerken, die nicht das Rennen gemacht haben, sei die komplexe und unterschiedliche Herangehensweise der Studenten erkennbar gewesen.

Details miteinbezogen

Osterburkens Bürgermeister Jürgen Galm, der ebenfalls Teil der neunköpfigen Jury war, zeigte sich erfreut über die vielen kreativen Entwürfe. „Wir haben den Studenten im Juli des vergangenen Jahres den Radweg gezeigt. Offensichtlich hat das Eindruck hinterlassen“, sagte er hinsichtlich der miteinbezogenen regionalen Besonderheiten.

Bei einem ausgewählten Projekt beispielsweise blicken die Betrachter auf eine Muschelkalkwand, ein anderes steht im Zusammenhang mit den vielen regionalen Höhlen. „Wir freuen uns, dass wir den Skulpturenradweg auch an Buchen anbinden konnten. Das war uns bei der Entstehung des Weges noch nicht möglich“, so Galm. Es habe damals an den entsprechenden Fördermöglichkeiten gefehlt.

Im Mai 2006 wurde der Radweg, der bisher nur durch Rosenberg, Ravenstein, Osterburken, Adelsheim und Seckach führte, eingeweiht. Die mit dem Projekt verbundenen Erwartungen in Hinsicht auf den Tourismus wurden seit der Gründung nur teilweise erfüllt, daher wurde in einer Verbandsversammlung des Zweckverbandes „Regionaler Industriepark Osterburken“ eine Weiterführung mit neuen Kunstwerken beschlossen. Damit soll der Bekanntheitsgrad erhalten und gesteigert werden. Ab Seckach führt der Weg über Bödigheim nach Buchen. Von dort ist über Eberstadt und Bofsheim die Fahrt nach Osterburken möglich.

Noch viel Potenzial vorhanden

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk forderte, dass entlang des Skulpturenradweges mehr touristische und gastronomische Ziele errichtet werden müssten. „Es ist eine tolle Idee, dass dieser Gedanke wieder aufgenommen und weitergetragen wurde“, sagte er zu dem Projekt. Es handele sich hierbei um ein gutes Beispiel kommunaler Zusammenarbeit.

Nachdem die sieben Projekte ausgewählt waren, stellte Jurymitglied Tilmann Osterwold den zahlreichen Ehrengästen und Bürgermeistern, die ins Römermuseum gekommen waren, die „Sieger“ vor (siehe Info-Box). Nach Angaben des Osterburkener Bürgermeisters Galm sollen in den kommenden Wochen die Orte festgelegt werden, an denen die teilweise abstrakten Kunstwerke aufgestellt werden. Zwar gebe es Präferenzen, aber keinen Muss-Standort. „Die Suche nach dem passenden Ort für die Objekte wird fast noch schwieriger als die Auswahl“, meinte Galm. Schließlich gelte es, sich mit den jeweiligen Grundstückseigentümern einig zu werden. Gleichzeitig müsse man sich mit den Künstlern Gedanken über die Umsetzung machen und Kontakte zu Handwerken und Firmen vermitteln. „Wir wollen noch in diesem Jahr alles verwirklichen.“

Im Anschluss an die Präsentation der ausgewählten Projekte stellte die Jury den Anwesenden die einzelnen Werke genauer vor und begründete deren Besonderheiten.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 27.01.2018