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Bereicherung des Skulpturenradweges

Bauländer Skulpturen-Radweg erfährt Bereicherung

Sieben neue Kunstwerke für die 77 Kilometer lange Strecke - Jury entscheidet am 25. Januar - Stadt Buchen künftig eingebunden

RNZonline 04.01.2018, 06:00 Uhr

18 Kunstwerke, darunter Stefan Rohrers "Manta" bei Bronnacker, stehen bislang am Bauländer Skulpturen-Radweg. Jetzt erfährt die 77 Kilometer lange Kunst-Ausstellung in der Natur Zuwachs: Sieben weitere Objekte sollen aufgestellt werden und den Radweg, an den nun auch die Stadt Buchen angebunden wird, bereichern.

Die Bänke laden zur Rast ein, der herrenlose Koffer daneben aber gibt Rätsel auf. Das Werk des Bildhauers Andreas Blank steht bei Osterburken am Bauländer Kunst-Radweg. Sicherlich werden auch die Objekte, die im Wettbewerb zur Erweiterung des Radwegs eingereicht werden, den Betrachter gelegentlich rätseln und staunen lassen. Fotos: Burkard Gassenbauer

Bauland/Buchen. (bg) Zwölf Jahre nach seiner Eröffnung soll der Bauländer Skulpturen-Radweg, der auf einer Strecke von 77 Kilometern touristische Ziele der Gemeinden Adelsheim, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Seckach verbindet und dabei Kunst in der Landschaft buchstäblich "erfahrbar" macht, eine Erweiterung erfahren, wobei auch die Stadt Buchen eingebunden wird. Geplant ist die Aufstellung von sieben weiteren Kunstwerken. Der zu diesem Zweck im vergangenen Jahr ausgelobte Wettbewerb für Nachwuchskünstler von drei Kunstakademien biegt auf die Zielgerade ein; eine Jury wird am 25. Januar in Osterburken entscheiden, welche Werke die 18 bisherigen Objekte ergänzen.

Kunst und Kultur auf besondere Weise "erfahrbar" zu machen - dies war und ist das Ziel des außergewöhnlichen Projekts "Skulpturen am Radweg - Kunst in der Landschaft", das ab 2002 von den fünf Mitgliedsgemeinden des Zweckverbandes Regionaler Industriepark Osterburken (RIO) umgesetzt wurde.

Das maßgeblich vom früheren Seckacher Bürgermeister Ekkehard Brand angestoßene Radweg-Projekt wurde im Rahmen des EU-Programms "Ziel II" gefördert und fand sofort weithin viel Beachtung und Anerkennung. Wermutstropfen damals: Die Stadt Buchen, die an den Skulpturen-Radweg angebunden werden sollte, blieb aufgrund der Förderrichtlinien außen vor.

Seit der Sommersaison 2006 können Radler auf dem 77 Kilometer langen Radweg nicht nur die Landschaft im Neckar-Odenwald-Kreis genießen und touristische Ziele ansteuern, sondern auch Kunst buchstäblich "erfahren", denn mit dem Radweg durch das Bauland wurde eine originelle Ausstellungsstrecke zeitgenössischer Kunst geschaffen.

Nachdem der Radweg bislang durch die Gemeinden Adelsheim, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg und Seckach führt, wird künftig auch Buchen eingebunden. Entsprechende Weichenstellung hat der Zweckverband RIO im Vorfeld des im vergangenen Jahr gefeierten zehnjährigen Bestehens des Radwegs zusammen mit der Stadt Buchen vorgenommen, wobei zugleich die Anschaffung weiterer Kunstwerke beschlossen wurde.

Begonnen worden war das Projekt mit einem Skulpturenwettbewerb in den Staatlichen Akademien der Bildenden Künste Karlsruhe und Stuttgart und Burg Giebichenstein/Hochschule für Kunst und Design Halle. 40 Kunststudenten, betreut von Prof. Harald Klingelhöller (Karlsruhe), Prof. Werner Pokorny (Stuttgart) und Prof. Andrea Zaumseil (Halle), reichten im Februar 2004 ihre Skulpturen-Modelle ein, aus denen eine Fachjury dann 18 Arbeiten auswählte, die es seit 2006 entlang des Radwegs zu entdecken gilt.

Am neuerlichen Kunstwettbewerb, der wegen der geplanten Erweiterung im vergangenen Jahr ausgeschrieben wurde, beteiligen sich 15 von ihren Professoren ausgewählte Studierende aus den Meisterklassen der Staatlichen Akademien der Bildenden Künste Karlsruhe und Stuttgart sowie Nürnberg. Die jungen Künstler, die sich vorher vor Ort einen Eindruck vom Bauländer Skulpturen-Radweg verschafft haben, arbeiten seit einigen Monaten mit Hochdruck an ihren Modellen, die sie bis zum 22. Januar fertigstellen müssen.

Am 25. Januar wird eine Wettbewerbsjury in Osterburken darüber entscheiden, welche sieben Kunstobjekte den Radweg bereichern werden. Der Jury gehören die renommierten Kunstexperten Prof. Werner Pokorny (Ettlingen), Prof. Tilman Osterwold und Erwin Holl (Stuttgart) an. Weitere Mitglieder sind die Bürgermeister Jürgen Galm (Osterburken) und Roland Burger (Buchen), der international bekannte Adelsheimer Videokünstler Louis von Adelsheim, der früher im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst tätige Harald Goll und der Seckacher Altbürgermeister und einstige Projektleiter Ekkehard Brand, der als auch am neuerlichen Wettbewerb beteiligt ist.

Eckehard Brand ist davon überzeugt, dass die Erweiterung der Kunstpalette bundesweit Beachtung findet und die neuen Objekte und die Einbindung Buchens eine erhebliche Aufwertung für den Radweg bedeuten, dessen Schaffung das Ziel hatte, den Tourismus in der Region zu fördern. Dass das Radweg-Konzept bestens geeignet ist, Besucher und insbesondere die Kunstfreunde unter den Radlern anzulocken, hatte Prof. Dr. Riedl, Ordinarius für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg, schon beim Blick auf die ersten Kunstwerke unterstrichen: "Was hier zu sehen ist, könnte sich auf jeder ,documenta‘ sehen lassen."

Nachdem die Umsetzung des interkommunalen Projekts Skulpturen-Radweg von der Europäischen Union und dem Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg mit je 50 Prozent gefördert worden war - neben weiteren Mitteln für Werbung und Beschilderung standen damals rund 440.000 Euro zur Realisierung der Skulpturen zur Verfügung -, greifen die beteiligten Städte und Gemeinden für die Erweiterung jetzt selber kräftig in die Tasche: Die Künstler, deren Werke aufgestellt werden, erhalten 25.000 Euro, für die beteiligten anderen Studenten gibt es jeweils 500 Euro.

Die von der Jury ausgewählten Werke sollen der Öffentlichkeit im Römermuseum in Osterburken präsentiert werden. Der Termin steht noch nicht fest. Auf jeden Fall sollen aber die neuen Objekte möglichst noch im Laufe des Jahres aufgestellt werden, zwei auf Buchener Gemarkung, die anderen auf den Gemarkungen der fünf Bauland-Gemeinden.

Wie Ekkehard Brand ist auch der Osterburkener Bürgermeister Jürgen Galm zuversichtlich, dass die erweiterte Ausstellung zeitgenössischer Kunst inmitten der Natur in Verbindung auch mit dem ungebrochenen Trend zum E-Bike dem Skulpturen-Radweg neue Freunde bringen wird. Die Kunstwerke sowie die an der Strecke liegenden Freizeitstätten wie die alla hopp!-Anlagen in Buchen und Merchingen, touristische Ziele wie die Eberstadter Tropfsteinhöhle und das Römermuseum in Osterburken und Zeugnisse der Geschichte machten den Radweg attraktiv für Jung und Alt, betonten Brand und Galm gegenüber der RNZ.

In diesem Zusammenhang wurde auch darauf verwiesen, dass man die Vermarktung intensivieren und die Infrastruktur für E-Bike-Fahrer verbessern will. Bei den vorgesehenen kleinen Trassenänderungen will man Expertenrat vom ADFC einholen. Zudem werde auch an eine Zertifizierung des Radwegs gedacht.