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06 Retrograde Umgestaltung

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Eine gefällte Eiche aus der un-mittelbaren Umgebung wurde in Bretter zerlegt, einem Stahlkern angepasst und anschließend wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt.

Die ursprüngliche Form der Eiche hat nichts mehr gemeinsam mit der Form des skulpturalen Baumes, der sich nun, transformiert und auf einem Fundament verschraubt, als Stamm mit geschälter Rinde aus dem Boden erhebt. Lamellenartig zersägt, umfasst der Eichentorso einen Fremdkörper, der mit seinen stählernen Ablegern aus dem Stamm herausragt und den gewaltigen Eingriff sichtbar macht.

Der Baum erweckt den Eindruck, unvollendet oder gar tot zu sein, kommt also nie an die Schönheit eines lebenden Baumes heran. Das Kunstwerk ist trotz seines beständigen Holzes den natürlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Die Stahlableger werden im Laufe der Zeit rosten und in einem Prozess der Veränderung ihr ursprüngliches Aussehen verlieren.

Der Künstler setzt sich in seinem Werk mit dem widersprüchlichen Verhältnis des Menschen zur Natur auseinander. Durch Zersiedelung, Versiegelung des Bodens oder Umweltverschmutzung zerstört der Mensch die Natur. Im gleichen Zuge schafft er Naherholungsgebiete, renaturiert Flüsse und schützt sich vor Naturkatastrophen, die durch Zerstörung der Landschaft entstehen.

Destruktion schafft die Voraussetzung für Renaturierung. Diese kommt allerdings in keiner Weise an den ursprünglichen Zustand der Natur heran. Die retrograde, also rückläufige Umgestaltung wird zum Sinnbild der Wechselwirkung von Zerstörung und Kreation, von Beständigkeit und Veränderung. Die Wahl einer deutschen Eiche mit ihren bedeutungsvollen Assoziationen eröffnet ein weiteres Feld der Interpretation.


Material

Holz (Eiche), Stahl,
H 4,50 m


Künstlerischer Werdegang

Jahrgang 1979

Nach Praktika bei verschiedenen Künstlern beginnt Daniel Beerstecher 2003 sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Werner Pokorny und Prof. Udo Koch.

Inspirierend für seine Arbeit ist eine Reise zu Fuß und ohne Geld von Flensburg nach Basel (2004).


Standort

etwa auf der Hälfte des Streckenabschnitts Adelsheim – Osterburken

www.danielbeerstecher.com